Die Arbeiten auf dem "Liewenshaff"

 

 

Der "Liewenshaff"-Centre Propédeutique Professionnel-der Päerd's Atelier A.s.b.l. beschäftigt sich mit der Arbeitsheranführung verhaltensauffälliger Jugendlicher.

Die Öffentlichkeit verbindet mit sozialen Einrichtungen vielfach allgemeine, eher etwas düstere Vorstellungen, weil sie weiss, dass dort zumeist "gestrauchelte", junge Menschen untergebracht sind. Diese Minimal-Information reicht vielen in der Regel bereits für eine definitive Einschätzung, die vielfach einer Aburteilung der Einrichtung gleichkommt. Es wird der Einrichtung breitwillig überlassen, die "Gestrauchelten" so zu erziehen, dass sie das übliche Leben der Gesellschaft künftighin nicht stören werden und jene in ihr auch ohne eigenen Schaden zurechtkommen können.

Die Klientel wird als verwahrlost, erziehungsschwierig, berufsunreif, lernbehindert, entwicklungsgehemmt und dergleichen bezeichnet, ohne dass mit nötiger Trennschärfe die Begriffsvielfalt geordnet wird. In der Regel lassen sich aber zwei Schwerpunkte erkennen, die nicht unabhängig voneinander sind, sondern meist miteinander verknüpft auftreten: Auffälligkeiten im sozialen Verhaltensbereich sowie im Lern- und Leistungsbereich.

Zentral für die Erziehungsarbeit in der Einrichtung ist zunächst die sozialpädagogische Gruppe als Ort der Lebenserziehung, in der alle wichtigen Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden. Sie ist vor allem immer ein Auffangort für notwendigerweise auftretende Konflikte, die aus dem Zusammensein von Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten resultieren. Weiter wird angestrebt, in der Gruppe die emotionalen Defizite aufzuarbeiten und eine Stabilisierung herbeizuführen. Der Einzelne soll für den Aufenthalt allgemein sowie für die Inanspruchnahme von Lernangeboten und für das Durchhalten beim Absolvieren der vier angebotenen Lernfeldern im besonderen motiviert werden. Das abweichende Sozialverhalten wird im Gruppenzusammenhang positiv zu kontrollieren, zu reflektieren und zu ändern versucht.

Gleichrangig neben der Gruppenarbeit steht die Arbeitsheranführung, Berufsausbildung in den vier differenzierten Lernfeldern/Werkstätten, und ist somit als Teil der Jugendhilfe in der Einrichtung fest verankert. Sie dient dazu, dass der Jugendliche sein Leben zukünftig selbstverantwortlich wirtschaftlich sichern kann und es zu planen lernt.

Geht man davon aus, dass die in Familie und Schule erfahrene Sozialisation der Jugendlichen- ganz global betrachtet-als defizitär angesehen werden muss, so wird bereits deutlich, dass für diesen Personenkreis eine Arbeitsheranführung als Kernstück beruflicher Sozialisation sehr viel mehr bedeuten muss, als blosse Aneignung der für die Berufsausübung notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten. Es handelt sich ebenfalls um das Erlernen "abstrakter Arbeitstugenden" wie z.B. Aufmerksamkeit, Verantwortung, technisches Verständnis und Reaktionsgeschick, Zuverlässigkeit, Organisationsgeschick, Fähigkeit der Menschenbehandlung, Ueberblick und Selbstkontrolle, Exaktheit und Beherrschung des Tempos.

Die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten dienen nicht nur als Schlüssel einer eigenständigen, selbstverantwortlichen späteren Lebensgestaltung, sondern setzen erhebliche motivierende Kräfte frei, indem sie den Jugendlichen durch entsprechende Erfolgserlebnisse ermutigen und somit zu Auftrieb verhelfen und zu seiner inneren Stabilisierung beitragen.

Der Liewenshaff bietet den Jugendlichen die folgenden vier verschiedene Arbeitsbereiche an:

=> Landschaftspflege und Gartenbau

=> Pferdebereich und Bauernwesen

=> Restauration und Jugendherberge

=> Eisenwerkstatt
 

 

Landschaftspflege und Gartenbau:

 

Wie in allen angebotenen Bereichen sollen die anliegenden Arbeiten dem Jugendlichen eine grösstmögliche Orientierung bieten. Dies beinhaltet für diesen Bereich, dass die Lernmöglichkeiten von Waldarbeiten mit groben Gerät, über die Planung und Unterhalt von Grünanlagen und Garten, bis hin zu Feinstarbeiten im Gewächshaus sowie in der Wohnanlage so gross wie möglich gefächert sind. Die Zusammenarbeit mit Küche und Bauernwesen soll den Jugendlichen im Sinn und Zweck seiner Arbeit bestätigen und durch die Oeffnung nach aussen (Arbeitsaufträge; Eigenkonsum; Kostensenkung; ...) den Wert seiner Arbeit zeigen und somit sein Selbstwertgefühl steigern.

 

Pferdebereich und Bauernwesen:

 

Der Umgang, die Pflege und Verantwortlichkeit über die Tiere und insbesondere über die Pferde dient als therapeutisches Mittel. Arbeiten erstrecken sich über Instandsetzungsarbeiten Pflege des Materials und der Maschinen, Bestellungen und Unterhalt der Felder und Wiesen, Tiernutzung und Tourismusangebote. Die Oeffnung nach aussen besteht im Anbieten von Kutschenfahrten und Ferienfreizeiten sowie durch das Absetzen der hofeigenen Produkte.

 

Restauration und Jugendherberge:

 

Hier besteht die Möglichkeit des Erlernens von Fertigkeiten die einerseits für persönliche Bedürnisse (Hygiene, kochen , spülen, putzen) von Nöten sind andererseits verschiedene Berufsfelder (Küchenarbeit, Servicebereich, Hotellerie) eröffnen und abdecken. Dieses Lernfeld wird bestärkt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Gartenbereich und dem Bauernwesen sowie durch organisierte Kinderfreizeiten und Festivitäten mit der Uebernachtungsmöglichkeit in der hauseigenen Jugendherberge.

 

Eisenwerkstatt:

 

Die Eisenwerkstatt bietet den Jugendlichen die Möglichkeit der Auslotung von technischem Verständnis, handwerklichem Geschick, logischem Denken sowie praktischer Ausführung. Gefertigte Werkstücke reichen vom Kerzenständer über Geländer bishin zu Bestallungsanlagen sowohl für den Eigenbedarf jedoch auch für den privaten Markt ausserhalb. Somit besteht auch für diesen Bereich die Oeffnung nach aussen,die dem Jugendlichen die Motivation für eine gute und saubere Arbeit bietet und demzufolge eine Steigerung des Selbstwertgefühls mit sich bringt.

 

Statt durch Separierung, Unterbringung und Förderung von Problemgruppen Gebrauch zu machen, sollen solche Jugendlichen ihr "Anderssein" überwinden und durch das Oeffnen der Einrichtung an relativ normale Verhältnisse Anschluss finden sowie Aussenkontakte vorbereiten und herbeiführen um ein "Inseldarsein" zu durchbrechen und somit eine Normalisierung der ablaufenden Ausbildungsprozesse zu erreichen.

Durch das Erlernen eines Arbeitsverhaltens,-fertigkeiten und-techniken wird dem Jugendlichen der Uebergang von der Einrichtung in eine berufliche Tätigkeit ermöglicht. Die eigene berufliche Tätigkeit bildet für die meisten Menschen die Grundlage der wirtschaftlichen und sozialen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Das Ausüben eines Berufes ist zentrale Voraussetzung für das eigenständige Heraustreten aus der Herkunftsfamilie und verschafft dem Jugendlichen einen unabhängigen Status in der Gesellschaft.

Damit liegt die berufliche Tätigkeit im Schnittpunkt zwischen personalem und sozialem System.